22. Jahrestreffen in Bad Herrenalb/Maulbronn

vom 04. bis 07. Mai 2014



 
ein paar einstimmende Fotos:
Kurhaus
Klosterkirche Herrenalb
Kloster Maulbronn

Und nun 426 Fotos vom 22. Jahrestreffen

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Wenn Sie mich um Löschung von eigenen Aufnahmen bitten,
werde ich dem gern entsprechen.
Ansonsten gehe ich von 18 Monaten Verbleib aus,
d.h. die Fotos vom Jahrestreffen 2013 sind noch zugänglich.

Ihr Peter Bleckwenn
Premiere:
von Thomas Engelhard, Heilsbronn
Hotel am Kurpark
unser Spontan-Chor
hier noch mal das Programm zu Ihrer Orientierung:
Begrüßung beim „Empfang der Landeskirche“ von Prälat Dr. Christian Rose


Sehr geehrte Tagungsteilnehmende der 22. Tagung der Evangelischen Zisterzienser-Erben,
sehr verehrte Damen und Herren,

Porta partet, cor magis
„Die Tür ist offen, das Herz noch mehr.“ Das Motto der Zisterzienser ist so bekannt wie einladend: Wir brauchen in unserer
Gesellschaft, in unseren Kirchen, wir brauchen auf der ganzen Welt offene Türen und offene Herzen. Nur so werden wir die Aufgaben
der Zukunft miteinander meistern. Wir wollen als Christinnen und Christen unser Gemeinwesen mitgestalten, das in der Nähe - in
unserer kleinen, überschaubaren Welt, aber auch das in der Ferne. Wir wollen die Menschen jenseits der Grenzen und der Meere in
unseren Herzen einen Platz geben.
2) Das wird nur gelingen, wenn wir uns immer wieder unserer Wurzeln erinnern. Zukunft braucht Herkunft. Oder mit einem Wort von
Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky formuliert: „Die Erinnerung ist die Amme der Hoffnung.“
3) Als Zisterzienser-Erben haben Sie sich die Aufgabe gestellt: aus der Erinnerung an die Zisterzienser-Tradition Kraft und Hoffnung zu
schöpfen für die Zukunftsaufgaben. Ich bin fest davon überzeugt, meine sehr verehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und
Brüder, dass wir in unseren Kirchen, ganz gleich welcher Konfession, dass wir geistliche Zellen brauchen, von denen Impulse
ausgehen.
4) Ich erinnere an die berühmten Schmalkaldischen Artikel (1537) Martin Luthers. Diese Artikel sind so etwas wie das theologische
Vermächtnis des Reformators, das freilich konfessionelle Grenzen weit überschreitet. Luther beschreibt (III.4), wie das Evangelium,
wie die frohe Botschaft von der in Jesus Christus Mensch gewordenen Liebe Gottes zu uns Menschen kommt. Das Evangelium kommt
zu uns Menschen - ich zitiere:
„Erstens durchs mündliche Wort, worin Vergebung der Sünde gepredigt wird in alle Welt, welches das eigentliche Amt des Evangeliums ist. Zum
andern durch die Taufe, zum dritten durchs Heilige Sakrament des Altars; zum vierten durch die Kraft der Schlüssel und auch per mutuum
colloquium et consolationem fratrum [sc. et sororum; C.R.] (durch gegenseitiges Unterreden und Trösten der Brüder [erg.: und Schwestern;
C.R.), Mt 18, 20: Denn, wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
5) Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie bei Ihrer Tagung „gegenseitiges Unterreden und Trösten der Geschwister“ erleben.
6) Im Namen unseres Landesbischofs, der morgen bei Ihnen zu Gast sein wird, und im Namen unserer ganzen Evangelischen
Landeskirche in Württemberg heiße ich Sie alle herzlich willkommen zur 22. Tagung der Evangelischen Zisterziensererben. Schön,
dass sie zum dritten Mal in unserem Bundesland zu Gast sind. Wir wünschen Ihrer Tagung einen gesegneten Verlauf und hoffen, dass
durch diese Tagung viele Impulse ins Land hinausgehen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Prälat Dr. Christian Rose
Planie 35, 72764 Reutlingen
Tel.: 07121 / 490323
E-Mail: christian.rose@elk-wue.de

Was verbindet die Evangelische Akademie Baden mit der Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben?

Die Kirchengemeinde Bad Herrenalb mit ihrem Kloster und vor allem ihrer Klosterkirche. Als man nach 1945 für die Evangelische
Akademie ein Haus in der französischen Besatzungszone suchte, fiel der Blick auf Bad Herrenalb. Die Nähe zum Kloster wirkte sich
segensreich aus. Der besondere geistliche Ort des Zisterzienserklosters wurde immer wieder zu einer Hilfe, sich oben in den damals noch
kleinen Akademiegebäuden als einen Ort geistlichen Lebens zu verstehen. Viele Jahre führten Diakonissen das Haus. Das Kloster im Tal
wurde der Akademie auf dem Berg zur Hilfe und auch zu einer Verpflichtung, Evangelium und Welt beten und arbeiten miteinander zu
verbinden.

2. Der erste Leiter der Akademie, Pfr. Dr. Friedrich Schauer war Michaelsbruder (1947-1950). Er hatte sich im Kirchenkampf bewährt. Sein
Konzept von Akademiearbeit war Ende der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts jedenfalls für Baden recht fortschrittlich . Sein Biograf
Friedrich Winter schreibt: „Schauer sprach von der Gefahr, dass die Kirche nicht bereit sei, sich den Fragen der Zeit wirklich zu stellen. Das
aber sei die Voraussetzung aller Akademiearbeit. „Aber es ist unsagbar schwer und erfordert feinen Takt, große Erfahrung, tiefe Demut und
geduldiges Gottvertrauen, wirklich im Dialog zu bleiben und nicht dem Monolog zu verfallen.“ (Schauer)“ Es ging ihm um einen offenen,
hörbereiten Diskurs unter Verantwortungsträgern, eingebunden in den Rhythmus von Stundengebeten und in Verbindung mit der Feier des
Heiligen Abendmahls. Schauer vertraute darauf, dass im Kontext von Bibelarbeit,  Gebet und der Feier des hl. Mahls das freie und offene
Wort gewagt werden kann. Als besonders befremdlich war der damaligen Kirchenleitung zudem das Psalmodieren und wohl auch die
regelmäßige Abendmahlsfeier zum Abschluss der Tagungen.

3. Die Zeit war nicht reif, Schauer musste gehen. Aber sein Nachnachfolger, Akademiedirektor Dr. Wolfgang Böhme, befasste sich intensiv mit
der Bedeutung der Mystik für den Christlichen Glauben. An dem zisterziensisch geprägten Ort Bad Herrenalb kam es 1987 unter der Leitung
von Wolfgang Böhme und Josef Sudbrack zur Gründung der "Gesellschaft der Freunde christlicher Mystik" In der Akademie wurden
regelmäßig Tagungen zu Themen der Mystik veranstaltet, unter dessen Nachfolger Hans-Martin Leichle wurden Formen Geistlichen Lebens
wie z.B. das Kontemplative Gebet geübt.

4. Akademiedirektor Dr. Jan Badewien verstaltete 1999 eine bemerkenswerte Tagung mit der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche
Landeskunde am Oberrhein. Titel "850 Jahre Kloster Herrenalb. Auf Spurensuche nach den Zisterziensern. Dazu ist eine wunderbare
Publikation entstanden.

5. In den vergangenen Jahren konnten wir in Zusammenarbeit mit der Bad Herrenalber Gemeindepfarrerin Brigitte Fried, die Ihnen von der
Gemeinschaft evangelischer Zisterziensererben her bekannt ist, einige Tagungen zur deutschsprachigen Gregorianik und der Evangelischen
Messe anbieten. Dabei half uns die Tragkraft dieses Ortes und seines Kirchenraumes entscheidend.

6. Nachdem sich dieses Konzept ein wenig erschöpft hatte, sind wir nach Maulbronn umgezogen, wo wir in den Sommerferien in den Zimmern
der Alumni, der Schülerinnen und Schüler des Niedrigen Evangelisch - Theologischen Seminars wohnen konnten. Dort erlebten wir
wunderbare Tage mit den drei Schwerpunkten Geistliche Schriftlesung, Stundengebet/Gregorianik/Kontemplatives Schweigen. Sie werden
morgen nach Maulbronn fahren. Wir hoffen, dass dieses Angebot zu einer regelmäßigen Einrichtung werden kann.

7. AMTSA                                                                                                                         
So steht es auf einem Wappenstein des heutigen Pfarrhauses, das früher wohl Abtswohnung und noch vorher die Infirmerie des Klosters
war. AMTSA Das heißt ama me te semper amavi. Liebe mich, ich habe dich immer geliebt. Evangelische Liebesmystik ist ohne die
bernhardinische und die zisterziensische Liebesmystik  allgemein undenkbar. Martin Luther, Philipp Nicolai, Paul Gerhardt waren davon
geprägt, zisterziensisches Gedankengut findet sich in ihren Schriften bzw. Dichtungen.
Prälat Rose machte uns in seiner Predigt auf Maria Magdalena auf der Kreuzigungsdarstellung an der Außenwand der Kirche aufmerksam.
Paul Gerhard legt in seinem Passionssalve Maria Magealena die Worte in den Mund „Sei mir tausendmal gegrüßet, der mich je und je
geliebt.“ Die Vorlage des Lieds dazu stammt aus der zisterziensischen Tradition. „Liebe mich, ich habe dich je und je geliebt.“
Was heißt es heute, Jesus liebhaben? Wie kann diese Liebe heute Sprache und Ausdruck finden? Diese Fragen haben wir mit Karl Rahner
auf einer der letzten Akademietagungen gestellt.
Ich wünsche Ihnen und uns, dass uns der Aufenthalt im Evangelischen Zisterziensererbe, dass uns die Beschäftigung mit dem Schrifttum der
Zisterzienser, dass Ihnen auch Ihre Tagung hilft, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Im Namen des gesamten Kollegiums der Ev. Akademie Baden wünsche ich Ihnen eine gesegnete Tagung.

Wolfgang Max , Albert-Einstein-Str. 3 , 75015 Bretten , Tel.: 07252/539647 , Wolfgang.Max@ekiba.de , pfr.max@t-online.de
Grußwort Pfr. Wolfgang Max, Evangelische Akademie Baden

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe verehrte Frau Fried,
hochwürdiger Herr Generalprokurator Meinrad, liebe Zisterziensererben,
ich freue mich heute wieder einmal bei Ihrer Tagung Dabeisein zu können.

Im vergangenen Jahr fragte Fr. Pfarrerin Fried bei mir an, ob ich bei der Tagung etwas über das Leitungsamt der Äbtissin sagen würde. Da ich
mich gut daran erinnerte, welche aufmerksamen und interessierten Zuhörer ich 2006 hatte, sagte ich gerne zu. Das Thema heute lautet:
„Der Abt soll mehr helfen als herrschen.“  -  Leitungsdienst im Geiste Benedikts heute

Über diesen Leitungsdienst möchte ich mit Ihnen in der kommenden Stunde reflektieren und mit Ihnen meine Erfahrungen teilen. Es wird eine sehr
persönliche Reflexion sein und keine wissenschaftliche Untersuchung.
Bewusst habe ich das Wort „Leitungsdienst“ und nicht „Leitungsamt“ gewählt. Äbtissin zu sein, bedeutet dem Wort nach „Mutter“ oder im
übertragenen Sinne auch „Gebärerin“ sein. Ich stelle dies an den Anfang meiner Ausführungen weil das Dienen im Zeichen der Mutter und
Gebärerin mir sehr wichtig geworden ist und den Dienst sehr deutlich zeigt. Für mich drückt in diesem Zusammenhang die Schriftstelle in den
Paulusbriefen das überaus klar aus. Paulus sagt zu der Gemeinde in Galatien: „Bei euch, meinen Kindern, für die ich von neuem Geburtswehen
erleide, bis Christus in euch Gestalt annimmt.“ Gal 4,19

Ich bin nun seit 13 Jahren in diesem Dienst an der Gemeinschaft. Wie wurde mir dieser Dienst aufgetragen? Vielleicht kennen viele von Ihnen die
Vorgehensweise bei einer Äbtissinnenwahl, aber sicher nicht alle, deshalb möchte ich hier am Anfang darauf eingehen.
Die Äbtissin oder auch ein Abt einer Abtei wird nicht vom Vaterabt oder dem jeweiligen Diözesanbischof ernannt, sondern von der
Gemeinschaft der konkreten Abtei in geheimer Wahl gewählt. Dazu wird im Vorfeld als Vorbereitung nicht eine Liste von möglichen
Kandidatinnen aufgestellt und ein regelrechter Wahlkampf geführt. Im Gegenteil, es wird gemeinsam das Anliegen um eine gute Wahl intensiv in
das fürbittende Gebet hineingenommen. Gott selbst soll sich diejenige auswählen, die er als sein Werkzeug gebrauchen möchte. Der Heilige Geist
ist der eigentliche Leiter der Wahl. Nach der erfolgreichen Wahl und der freiwilligen Annahme wird die Erwählte durch den jeweiligen Vaterabt
bestätigt, der die Wahl durchführt. Bei uns in der Mehrerauer Kongregation ist die Voraussetzung für die Gültigkeit einer Wahl, dass die
Gewählte mindestens 30 Jahre alt ist und schon sieben Jahre durch die feierlichen Gelübde an den Orden und die Gemeinschaft vor Ort
gebunden ist. Der Gewählten werden in der feierlichen Äbtissinnenweihe die notwendigen Gnaden für ihr Amt von Gott erbeten.
Diese Vorgehensweise bei der Einsetzung zeigt schon das geistliche Fundament, das gelegt ist und dann auch entsprechend gelebt werden soll.
Benedikt schreibt dazu in seiner Regel: „Der Abt vertrete im Kloster die Stelle Christi; deshalb darf der Abt nur lehren oder bestimmen und
befehlen, was der Weisung des Herrn entspricht:“

Vor dreizehn Jahren haben mich also die Mitschwestern von Lichtenthal zu ihrer Äbtissin gewählt. Damals war ich unerfahren in der
Verantwortung für eine monastische Gemeinschaft und für das Amt der Klostervorsteherin. Aber in den 13 Jahren habe ich sowohl durch
schmerzliche als auch durch hoffnungsvolle Erlebnisse die Aufgabe der „Helferin und Mutter im Namen Gottes“ immer besser erkennen dürfen.
Auf der einen Seite fühle ich mich heute gestärkt durch diese viele Erfahrungen, und auf der anderen Seite aber immer wieder wie am Anfang
eines neuen unbekannten Weges.
Was mir ganz deutlich wurde im Laufe der Jahre möchte ich mit Ihnen teilen, und nach meinen Ausführungen lade ich sie zu einer Diskussion über
das Gesagte ein.

Der heilige Benedikt, der seine Regel im 6. Jhdt. schrieb, verfasste darin zwei sehr umfangreiche Kapitel über den Dienst des Abtes. Wenn wir
sie heute lesen, staune ich immer aufs Neue, wie weitsichtig und weitherzig Benedikt zu seiner Zeit war. Das 2. Kapitel der Regel umfasst 40
Verse, in denen er ausführlich die Eigenschaften des Abtes darstellt. Das 64. Kapitel mit 22 Versen trägt die Überschrift „Die Einsetzung und der
Dienst des Abtes“, das wiederum einen reichen Tugendkatalog für den Abt aufzählt. Außerdem werden in den meisten übrigen Kapiteln die
Aufgaben des Abtes erwähnt. So wie Benedikt das Bild des Abtes darstellt, ist es unmöglich dass ein einzelner Mensch diese Eigenschaften alle
in sich vereinen könnte. Er wäre damit total überfordert. Jeder Abt oder jede Äbtissin, die diesen Dienst der Leitung auf sich genommen hat,
muss das Amt mit den je eigenen von Gott geschenkten Talenten ausfüllen. Mit den natürlichen Gaben und Fähigkeiten, die in meinem Wesen
und Charakter grundgelegt sind, muss ich wuchern und sie in den Dienst der Gemeinschaft stellen. So sind für mich persönlich die Eigenschaften
zur Aufgabe geworden, die Benedikt im 64. Kapitel folgendermaßen ausdrückt: „ Der eingesetzte Abt bedenke aber stets, welche Bürde er auf
sich genommen hat und wem er Rechenschaft über seine Verwaltung ablegen muss. Er wisse, dass er mehr helfen als herrschen soll. Er muss
daher das göttliche Gesetz genau kennen, damit er Bescheid weiß und (einen Schatz) hat, aus dem er Neues und Altes hervorholen kann. Er sei
selbstlos, nüchtern, barmherzig. Immer gehe ihm Barmherzigkeit über strenges Gericht, damit er selbst Gleiches erfahre. Er hasse die Fehler, er
liebe die Brüder. Muss er aber zurechtweisen, handle er klug und gehe nicht zu weit; sonst könnte das Gefäß zerbrechen, wenn er den Rost allzu
heftig auskratzen will. Stets rechne er mit seiner eigenen Gebrechlichkeit. Er denke daran, dass man das geknickte Rohr nicht zerbrechen darf.
Damit wollen wir nicht sagen, er dürfe Fehler wuchern lassen, vielmehr schneide er sie klug und liebevoll weg, wie es seiner Absicht nach jedem
weiterhilft; (wir sprachen schon davon). Er suche, mehr geliebt als gefürchtet zu werden.“Kap.64,7-15

Ich sehe meine vorrangige Aufgabe darin, Helferin auf dem Weg der Gottsuche zu sein. Christus Jesus, sein Leben, sein Wirken, seine Worte,
wie sie uns in den Evangelien und in den Briefen des NT überliefert sind stellen in meinem Dienst die Richtschnur dar. Deshalb bedeuten für mich
die liebende Kenntnis der Hl.Schrift, das Verstehen des Weges Jesu als Menschensohn, das persönliche Gespräch im Gebet mit Jesus und die
Bitte um die Führung durch den Geist Gottes die eigentliche Vorbereitung auf die Anforderungen jeden neuen Tages. Meine erste Aufgabe ist es
mit den Mitschwestern den Weg der Gottsuche und der Liebe zu Christus zu gehen. Darüber hinaus nehme ich als Hilfe für mich an
verschiedenen Fortbildungen teil, die mich ausrüsten mit dem nötigen Werkzeug zur Gesprächsführung, zur Konfliktbewältigung usw. Dann
gehört auch geistliche Begleitung dazu und der Austausch mit Beratern, Supervisoren und natürlich auch anderen Äbtissinnen, die denselben
Dienst ausüben.
Ich bin ebenso wie die Mitschwestern ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und bin auf die Barmherzigkeit und die liebende Vergebung
Gottes angewiesen und auf die Geduld der Mitmenschen. So sehe ich den Dienst als gehorsamen Dienst im Geist der Liebe.

Ich glaube, dass ich ohne ein unbegrenztes Vertrauen auf Gott diesen Dienst nicht erfüllen könnte. Gottes Geist wirkt und gibt mir zur rechten Zeit
genau die rechten Gedanken und Worte ein, die jeder Schwester weiterhelfen. Ich muss alle Sorgen in das Herz Gottes legen und dann mein
möglichstes tun.
Von Benedikt wird ein authentisches Beispiel berichtet, wie liebevoll er mit den Schwächen seiner Mitbrüder umgegangen ist und durch sein
Gebet geholfen hat. Papst Gregor der Große, der im 6 Jhdt. gelebt hat, zeichnet in seinem 2.Buch der Dialoge ein ausdrucksstarkes Bild des
Wirkens des Heiligen Mannes. Ich möchte Ihnen daraus eine Begebenheit erzählen:
„Das Eisen aus der Tiefe des Wassers:
Ein anderes Mal kam ein einfältiger Gote zu ihm, der Mönch werden wollte. Benedikt, der Mann Gottes, nahm ihn liebevoll auf.
Eines Tages ließ er ihm ein Werkzeug geben, das man wegen seiner Form Sichelmesser nennt. Er sollte damit an einer bestimmten Stelle das
Dornengestrüpp aushauen, um dort einen Garten anzulegen; die Rodung lag unmittelbar über dem Seeufer.
Als der Gote das Dornendickicht mit aller Kraft auszuhauen versuchte, sprang die Klinge vom Stiel und fiel in den See. Dort war aber das
Wasser so tief, dass es aussichtslos schien, das Werkzeug herauszuholen.
Da die Klinge verloren war, lief der Gote zitternd vor Angst zu dem Mönch Maurus, meldete den Schaden, den er angerichtet hatte, klagte sich
an und tat Buße. Der Mönch Maurus jedoch ließ es Benedikt, den Diener Gottes, sofort wissen. Als der Mann Gottes, Benedikt, das hörte, ging
er hin, nahm dem Goten den Stiel aus der Hand und hielt ihn in den See. Sogleich kam die Klinge aus der Tiefe empor und fügte sich wieder an
den Stiel. Benedikt gab dem Goten das Werkzeug zurück und sagte: „Geh wieder an deine Arbeit und sei nicht traurig!“

Benedikt wird hier nicht als der strenge Meister dargestellt, sondern als der liebende Vater, der aufrichtet und tröstet. Er verkörpert darin die
Güte und Barmherzigkeit Christi. Ich habe ebenfalls viele Situationen erlebt, in denen vor allen Dingen die älteren Schwestern traurig oder sogar
niedergeschlagen und mutlos waren. Ein Wort des Trostes kann Menschen in solchen Situationen soviel geben. Auch Gott wurde in früheren
Zeiten im Kloster als der strenge Richter vorgestellt, der alle Vergehen genau registriert und darüber Buch führt. Gottes unendliche
Barmherzigkeit lehrt uns das richtige Verhältnis zu uns selbst und zu den Mitmenschen. Was wir haben ist Gnade, ein Geschenk. In den
vergangenen Jahren habe ich oft in den letzten Tagen vor dem Sterben einer Mitschwester von dieser Angst erfahren und konnte versuchen sie
hinführen zum Glauben an den liebenden und verzeihenden Gott. Das Begleiten bis zum Sterben und zum Hinübergang ist ein sehr kostbarer
Dienst, den wir unseren älteren Schwestern leisten können. Die Hoffnung auf die Auferstehung ist ein tragendes Element in unserem
Glaubensleben.
Ich sehe die Aufgabe der Äbtissin darin, durch meine eigene Lebensführung, durch mein Lebens- und Glaubenszeugnis jede einzelne Schwester
der Gemeinschaft im Glauben zu stärken, zur Liebe zu motivieren und zum geistlichen Wachstum aufzufordern. Die Einzelgespräche haben einen
hohen Stellenwert, dazu kommen geistliche Ansprachen. Auch die täglichen kleineren und größeren Dienste für die Gemeinschaft gehören dazu.
In den vergangenen Jahren sind die Eintritte in unseren klösterlichen Gemeinschaften zurückgegangen. Unsere Konvente sind zahlenmäßig kleiner
geworden und die alltäglichen Herausforderungen in den einzelnen Arbeitsbereichen sind durch gesellschaftliche Vorgaben oft extremer
geworden. So ist es selbstverständlich, dass die Äbtissin mit Hand anlegt, wo „Not an der Frau“ ist. Ich glaube, die Rolle der Leitung wird dann
richtig verstanden, wenn sie als eine Gabe zum Aufbau der Gemeinschaft gebraucht wird. Aber auch jede einzelne sollte ihre Gaben und Talente
zum Wohl aller ausüben und jede trägt an ihrem Platz Mitverantwortung für das Ganze. Heute müssen wir die Mitglieder des Konventes dazu
anleiten selbst mehr Verantwortung mitzutragen. Jede hat in ihrem Aufgabengebiet die Ergebnisse zu verantworten und die Äbtissin steht helfend
zur Seite. Die letzte Verantwortung liegt allerdings beim Oberen.

Benedikt ermahnt den Abt, dass er für seinen Dienst Rechenschaft vor Gott ablegen muss. Diese Aussage ist einerseits der Hinweis auf die große
Verantwortung, die mit dem Leitungsamt verbunden ist, aber andererseits auch eine enorme Entlastung. Als Äbtissin bin ich stets an vorderster
Front und im Blick aller. Jede meiner Worte und Handlungen werden gesehen und offen beurteilt und kritisiert. Aber letztlich muss ich meine
Worte und Taten vor Gott verantworten und nicht vor den Menschen. Dieser Gedanke ist sehr befreiend, denn Gott ist die Barmherzigkeit.

Ich habe eine sehr schöne Begebenheit gelesen, die dies verdeutlicht:
Kardinal Godfried Daneels, der mittlerweile emeritierte Erzbischof von Brüssel sagte während eines Gespräches mit in der Kirche
Verantwortlichen: „Wenn ich von einem langen Arbeitstag nach Hause komme, gehe ich in die Kapelle und bete. Ich sage dem Herrn: Das reicht
für heute, jetzt ist es genug. Jetzt wollen wir mal ernsthaft miteinander reden: Ist das deine Diözese oder meine? Der Herr antwortet mir dann:
Was meinst du? Ich antworte dann: Ich meine, es ist deine.- Das stimmt, sagt mir der Herr, es ist meine. Und ich sage ihm: Gut, Herr, dann
übernimm du die Verantwortung für die Diözese und ihre Leitung. Ich gehe jetzt schlafen.“

Ich habe nun ausführlich über das Verhältnis Äbtissin und Gemeinschaft gesprochen und versucht Ihnen das Bild zu verdeutlichen was mir vor
Augen steht, und das Ideal, nachdem ich strebe.
Zum Dienst in und an der Gemeinschaft kommt die Aufgabe der Repräsentantin des Klosters zur Außenwelt hinzu. Dies ist in unserer modernen
Zeit enorm wichtig, muss aber immer vor den Bedürfnissen der eigenen Kommunität zurücktreten, deshalb habe ich dem Bild der Leitung
innerhalb der Klausur mehr Raum gegeben.
Die Herausforderungen des gegenwärtigen kirchlichen und gesellschaftlichen Umfeldes eines Klosters haben sich gewandelt. So hat die Äbtissin
die Aufgabe, die Gemeinschaft nach außen hin glaubwürdig und authentisch zu vertreten. Wie zum Beispiel heute hier bei Ihnen. Es gilt
abzuwägen, wie oft und zu welcher Veranstaltung verlasse ich das Kloster. Einerseits gibt es heute die Situationen, in denen ich Menschen, die in
kirchlichen Bereich leben und arbeiten und keine oder nur eine einseitige Vorstellung vom Klosterleben haben mit der Realität vertraut machen
muss. Es gibt gesellschaftliche Sitzungen, in denen auch das Wissen des Klosters hilfreich sein kann. Aber auch viele einzelne Menschen suchen
in unserer säkularen Welt nach Orientierung im Kloster und nach Glaubenshilfen. Für viele ist das Kloster ein neutraler Ort und ihre Anonymität
bleibt mehr gewahrt als in einer Pfarrgemeinde. Wir in den Klöstern haben heute mehr denn je auch eine missionarische Aufgabe gerade in
unserem christlichen Abendland. Dies ist eine neue Dimension, die uns herausfordert. Es gilt auf die Zeichen der Zeit zu achten und darauf positiv
zu reagieren.
In diesem Zusammenhang haben wir uns in unserer Gemeinschaft intensiver mit dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ von Papst
Franziskus auseinandergesetzt. Wir haben uns von vielen Stellen sehr angesprochen gefühlt und gefragt, was wir tun können, was unser Beitrag
zur Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute sein kann. Ein Abschnitt, der uns als Klosterfrauen angeregt hat, möchte ich an dieser
Stelle zitieren: „Die Kirche erkennt den unentbehrlichen Beitrag an, den die Frau in der Gesellschaft leistet, mit einem Feingefühl, einer Intuition
und gewissen charakteristischen Fähigkeiten, die gewöhnlich typischer für die Frauen sind als für die Männer. Zum Beispiel die besondere
weibliche Aufmerksamkeit gegenüber den anderen, die sich speziell, wenn auch nicht ausschließlich, in der Mutterschaft ausdrückt. Ich sehe mit
Freude, wie viele Frauen pastorale Verantwortungen gemeinsam mit den Priestern ausüben, ihren Beitrag zur Begleitung von Einzelnen, von
Familien oder Gruppen leisten und neue Anstöße zur theologischen Reflexion geben. Doch müssen die Räume für eine wirksamere weibliche
Gegenwart in der Kirche noch erweitert werden.“
Auch wir sind Frauen und durch unsere geistliche Offenheit in unserem hauseigenen Gästehaus haben wir ein Missionsfeld, das bearbeitet werden
soll. In den letzten Jahren haben wir mehrfach erleben dürfen, dass Menschen durch den Aufenthalt bei uns wieder oder erstmals den Zugang
zum Glauben an einen persönlichen Gott und an die Erlösung durch Jesus Christus gefunden haben.

Ich empfinde noch eine weitere Herausforderung, die heute an uns herankommt als sehr schwierig. Dies ist der Gebrauch der modernen Medien
und der neuen Kommunikationsmöglichkeiten. Ich kann sie gebrauchen, dass sie mir Zeit ersparen und helfen überall und allumfassender
ansprechbar zu sein. Aber in welcher Tragweite dürfen diese Mittel unser Leben bestimmen? Welche Möglichkeiten lassen wir ins Kloster
hinein? Was erlaube ich den Schwestern? Es sind neue Fragen, die hier auf uns zukommen. Ich denke zum Beispiel daran, wie Menschen durch
unsere Internetseite aufmerksam wurden und auf die Suche nach dem Leben mit Gott kamen.

Wir Schwestern in Lichtenthal haben noch eine weitere Aufgabe in unserer Stadt Baden-Baden, und zwar die Ökumene zwischen den
christlichen Kirchen. Räumlich ist die evangelische Kirche direkt vor den Klostermauern und der Kontakt zu dieser Gemeinde besteht schon
lange, wird aber immer lebendiger. Ebenso der Austausch mit den orthodoxen Gemeinden in Baden-Baden fordert unsere Aufmerksamkeit. Es
ist eine schöne Arbeit, gemeinsam Zeugnis zu geben von der Liebe Jesu Christi und seiner freundschaftlichen Gegenwart in unserer Zeit. Die
Kinder und Jugendlichen interessieren sich für unseren Lebensstil und so konnten wir in den letzten beiden Jahren viele Gruppen von
Erstkommunionkindern, Firmlingen und Konfirmanden zu Kenn lern- Tagen begrüßen und das Leben im Kloster näher bringen.
Wie die Zukunft in unserer Gemeinschaft, in unserem Orden, in der Kirche in Europa aussehen wird, können wir nicht absehen, aber wir glauben
daran, dass die Kirche nicht untergeht, sich sicher verändern muss, aber sie wird bestehen bis zum Ende der Welt.
Ich möchte schließen mit einem kurzen Zitat aus dem bereits erwähnten Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus:
„Die Herausforderungen existieren, um überwunden zu werden. Seien wir realistisch, doch ohne die Heiterkeit, den Wagemut und die
hoffnungsvolle Hingabe zu verlieren! Lassen wir uns die missionarische Kraft nicht nehmen!“

                                Äbtissin M. Bernadette Hein,    Abtei Lichtenthal
Äbtissin M. Bernadette Hein
„Der Abt soll mehr helfen als herrschen.“
Leitungsdienst im Geiste Benedikts heute

Diese Vorträge von Prof. Dr. Volker Leppin waren zweifellos Höhepunkte unserer Tagung.

Leider schrieb uns Herr Prof. Dr. Volker Leppin am 10.05.14 (gekürzt):

Liebe Frau Fried,
auch mir hat es große Freude gemacht, in Bad Herrenalb zu sein: ein interessiertes lebendiges Publikum! Haben Sie vielen Dank für die Einladung!
Mit der Veröffentlichung hat es allerdings genau den Haken, über den wir schon kurz sprachen:
Ich habe ja aufgrund meiner ... Mystik-Darstellung im Beck-Verlag vorgetragen,
um einiges angereichert  - und genau dafür gestattet der Beck-Verlag keine Veröffentlichung ...
Herzlich grüßt Sie Ihr Volker Leppin

Wir haben natürlich diesen Sachverhalt verstanden und akzeptiert, wenn auch sehr bedauert.

Und dann kam diese Neueste Nachricht:
Das Taschenbuch "Die christliche Mystik"
ist im Verlag C.H. Beck Wissen erschienen
und kostet 8,95 Euro.

Vorträge von Herrn Prof. Dr. Volker Leppin, Universität Tübingen
"Gottes Nähe unmittelbar erfahren"
1. Bernhard von Clairveaux  und  2. Martin Luther
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bitte anklicken: Pressestimmen

(vor und nach der Tagung)

Pfrn Brigitte Fried
hat unser Jahrestreffen 2014 in Bad Herrenalb und Maulbronn
mit größtem Einsatz, Geschick und Umsicht vorbereitet,
und wir verdanken ihr (und ihren Helfern)
ein großartiges Erleben in der Tiefe und Fröhlichkeit,
die unsere Gemeinschaft auszeichnet.